02/09/2013

Berlin goes Nagold //

Nichts ist mehr beim Alten seit Andrea Stock und Volker Witte die frisch sanierten Räumlichkeiten der Alten Post übernahmen.

„Um Punkt 16 Uhr hatte der letzte Handwerker seinen Werkzeugkoffer geschlossen und die frisch umgebauten Räumlichkeiten verlassen“, erzählt Andrea Stock. Das war am 15. Juni 2012, dem Tag der Wiedereröffnung des neu gestalteten Restaurants. Nur wenige Monate zuvor waren Andrea Stock und Volker Witte anlässlich eines Charity-Radrennens aus Berlin ins schwäbische Ditzingen gekommen. Während des Abendessens kam das Gastronomenpaar mit einer Dame am Nebentisch ins Gespräch. Diese erzählte ihnen von der Renovierung des prächtigen Fachwerkhauses am Nagolder Vorstadtplatz und dass für das traditionsreiche Restaurant noch engagierte Pächter gesucht würden. Stock und Witte, zu diesem Zeitpunkt beide noch in Sarah Wieners legendären „Speisezimmer“ tätig, sahen die Chance, auf die sie bereits seit einiger Zeit gewartet hatten: Das erste eigene Restaurant im Süden der Republik. „Dann ging alles sehr schnell“, sagt Witte. Schon drei Monate später stand der Umzugswagen vor der Tür.

 Beim ersten Treffen des Paares mit Hans Nock und Rolf Benz war der Umbau des denkmalgeschützten Gebäudes noch in vollem Gange: Das ehemalige Postcafé, der ausgediente Bankschalter sowie das Kosmetikstudio waren geöffnet und zu drei verschiedenen Gasträumen verbunden worden. „Im Erdgeschoss haben wir alles bis auf die rohen Grundmauern abgetragen“, berichtet Barbara Benz, die für die neuen Raum- und Farbkonzepte des Restaurants sowie deren Planung und Umsetzung verantwortlich war. Dabei kamen Teile der ursprünglichen Fachwerkkonstruktion, aber auch ein historischer Sandsteinbogen zum Vorschein, architektonische Fragmente, die Benz ganz selbstverständlich in das Interieur der neuen Gasträume integrierte.

 

 Für das Interieur der Kutscherstube fand die architare-Chefin eine ganz besondere Lösung. Hier hinterließ der Schweizer Architekt und Künstler Veit Rausch bei einem seiner Besuche spontan einen dynamischen Dreispänner samt Postillon als Wandmalerei. Als Reminiszenz an die ehemalige Pferdewechselstation setzte Benz im Bistro weitere gestalterische Akzente. Dort wo einst die Postkutschen Rast machten, sitzen die Gäste nun auf komfortablen Sattellederstühlen von Walter Knoll und blicken durch die gläserne Eingangstür auf die sonnige Terrasse. Auch der Umbau der Speiseräume im ersten Obergeschoss verlangte Zeit und Fingerspitzengefühl. Seit Mitte Oktober 2012 erstrahlen auch der Blaue Salon und das historische Napoleonzimmer in neuer Pracht. Hier werden die abendlichen Menüs serviert.

 

Neben Hausherr Volker Witte kümmern sich fünf Köche, sechs Tage die Woche um hausgemachte Köstlichkeiten wie gratinierten Ziegenfrischkäse, Käsespätzle oder Coq au Vin mit Steinchampignons. Selbst das Brot kommt aus dem restauranteigenen Backofen. „Als erstes habe ich mir eine Backstube eingerichtet“ berichtet Witte. Als überzeugter Fan frischer regionaler Produkte serviert der Küchenchef neben vegetarischen Spezialitäten auch Klassiker wie Wiener Schnitzel vom Milchkalb in geklärter Butter gebraten oder Zwiebelrostbraten mit Trüffelpommes. Qualität hat oberste Priorität. Das Rindfleisch bekommt er vom nahegelegenen Bauern. Auch wenn Witte überwiegend regionale Produkte verwendet, verliert er nie den Blick auf die Welt. Deshalb legt er auch bei der Auswahl eines Thunfischs oder Trüffels Wert auf deren Provenienz. Andrea Stock managt den Servicebereich. Als Sommeliere kümmert sie sich außerdem um die Auswahl und Zusammenstellung der Weine. Auf der Karte stehen regionale Weine, aber auch Italiener, Franzosen und Spanier.

An Markttagen ist die Alte Post besonders gut besucht. Man triff sich auf einen Kaffee, zum Lunch oder zum Apéritif. Inzwischen kommen sogar einige Gäste aus Stuttgart und bleiben auf ein abendliches Menü. Wie sagte Barbara Benz zum Abschluss der Umbauten noch? „Die Alte Post soll wieder zum Treffpunkt in Nagolds Mitte werden“. Das ist sie bereits. Die Entscheidung, die umtriebige Hauptstadt zu verlassen und in die „Provinz“ zu ziehen, kam für das engagierte Gastropaar just zum richtigen Zeitpunkt. Sie schätzen die gewachsene, durchmischte Struktur der Einzelhändler in Nagold, die Lebendigkeit und die persönlichen Kontakte der Stadt, vor allem aber die intensiven Kontakte zu Gästen und Lieferanten, die das Leben in einer kleinen Stadt mit sich bringt.

Restaurant Alte Post Bahnhofstr. 2 72202 Nagold. Tel. 07452/84500
Montags geschlossen
www.altepost-nagold.de