01/06/2011

Ein Familienhaus //

Bei Barbara Benz im Haus tobt das Leben. Ihre vier Söhne spielen, lachen, raufen, lesen, lernen und bringen Freunde mit, lassen Spiele und Kleidung herumliegen.

„Wo so viel Unruhe ist, wollte ich ein Haus mit klaren Linien haben, das Ruhe ausstrahlt“, sagt die Inhaberin des Einrichtungshauses und Planungsbüros Architare in Nagold in der Nähe von Stuttgart. Den richtigen Architekten fand sie im engsten Verwandtenkreis: Ihr Bruder Hansulrich Benz plante das Gebäude nach ihren Vorstellungen. Er gab ihm auch seinen Namen: „Ein Familienhaus“. Es besteht aus drei miteinender verbundenen Kuben: Im vorderen spielt sich ein Großteil des Familienlebens ab. Dort befinden sich Küche, Ess- und Wohnzimmer sowie das Büro von Barbara Benz. Im mittleren Kubus sind die Bäder und Lagerräume, im hinteren Trakt die Schlafzimmer. Die Struktur hat sich Barbara Benz von einer Produktionsstätte des Computerherstellers HP abgeguckt. Ihr waren kurze Wege wichtig, um sich als Mutter und Geschäftsfrau Zeit und Kraft optimal einzuteilen. Sollte sich ihre Lebenssituation verändern, kann eine Einliegerwohnung abgetrennt und vermietet werden. „Eventuell könnte eine Pflegeperson mit einziehen“, sagt sie.

Kochen, Essen und Entspannen funktionieren dank eines cleveren Interiorkonzepts in einem Raum. Im Vordergrund: ein Sofa aus der „Foster“-Edition von Walter Knoll und das Regal „Pause PA 160“ von Moroso

In der Essecke haben Barbara Benz’ Kinder und viele ihrer Freunde Platz. Sie müssen auf der Eckbank „Together“ von Walter Knoll nur ein wenig zusammen rücken. Als Abgren zung zum Wohnzimmer dient der blau beleuchtete Schrank von Interlübke

Barbara Benz kombiniert gerne warme und kühle Materialien wie hier im Eingangsbereich Holz mit Steinboden

Im Untergeschoss des zweistöckigen Hauses sind die Schlafräume. Vor der nach Osten ausgerichteten Fensterfront hat ihr Bruder einen 17 Meter langen Teich anlegen lassen, der gleich mehrere Funktionen erfüllt: „Er dient einerseits als Retentionsbecken. Hier wird Regenwasser gesammelt, dass dem Grundwasser zugeführt werden kann“, erklärt Hansulrich Benz. „Andererseits grenzt er die Schlafräume ab und hat somit eine schützende Funktion.“ Im Sommer kühlt der Teich außerdem spürbar durch die Verdunstung. Geheizt wird das Familienhaus mit CO2-neutraler Erdwärme.

„Damit es zwischen den Jungs keinen Streit um das schönste oder größte Zimmer gibt, sind alle Kinderzimmer gleich groß und in einer Reihe angeordnet“, sagt Hansulrich Benz. Nebenan ist das elterliche Schlafzimmer, das mit dem angeschlossenen Bad und der Ankleide eine Einheit bildet. Barbara Benz hat für Decken, Kissen und Gardinen in ihrem Zimmer ruhige Töne ausgewählt. Einen Kontrast setzt der grüne, abstrakt gemalte Frosch auf der Leinwand über ihrem Bett vone15. Farbverläufe sind der Inneneinrichterin sehr wichtig. „Das erzeugt Harmonie“, sagt sie.

So aufgeräumt sieht es im Jugendzimmer selten aus. Viel Platz zum Loungen ist auf dem Fatboy-Sitzsack mit Blumenprint und dem breiten B&B-Sofa „Tufty-Time“

Die Küche ist die Schaltzentrale des Hauses

Außerdem liebt sie Kontraste zwischen Außerdem liebt sie Kontraste zwischen kühlen und warmen Materialien: Beton und Metall treffen in ihrem Familienhaus auf geöltes Lärchen- oder Nussbaumholz, Leder und Teppiche. Diese Gegensätze finden sich besonders im großen Wohnbereich. Den Küchen-Arbeitsblock, in den auch der Herd bündig eingelassen ist, hat Barbara Benz aus Beton gießen lassen. Davor stehen farbig bezogene Barhocker von Walter Knoll. Der Hausherrin war es wichtig, auch beim Kochen und Essenzubereiten mitten im Geschehen zu sein. „Die Küche ist die Schaltzentrale des Hauses“, sagt sie. An einer großen Magnetpinnwand hängen die Stundenpläne und andere Termine, hier begrüßt und verabschiedet man sich.

Die Essecke ist ein Platzwunder. Häufig hat Barbara Benz Runden in der Größe einer Fußballmannschaft zu Gast. „Auf der Eckbank ‚Together‘ von EOOS für Walter Knoll kann man einfach zusammenrutschen“, sagt sie. „Da passt immer noch jemand mit drauf.“ Mit einer beleuchteten Schrankwand von Interlübke ist der Essbereich vom Wohnzimmer getrennt und die für die Statik relevanten Säulen geben dem Raum zusätzlich Struktur. Mittelpunkt des Wohnzimmers ist die XXL-Ledercouch von Norman Foster für Walter Knoll. Ein filigranes Gegenstück dazu ist das weiße Regal „Pause PA 160“ von Moroso.

Der Lieblingsplatz von Barbara Benz ist auf dem lederbezo genen Drehstuhl „Drift“ von Walter Knoll. Er steht direkt am Fenster des Wohnzimmers, von wo sie in den großen Garten und das benachbarte Naturschutzgebiet blicken kann. „Durch die großen Fensterfronten verschwimmen die Grenzen zwischen innen und außen“, sagt sie. Bei der Planung des Hauses war die Einrichtung noch kein großes Thema. „Ein Gebäude muss vom Entwurf her so stark sein, dass es auch Möbelstücke aushalten kann, die vielleicht nicht hundertprozentig zu der Vorstellung des Architekten passen, zum Beispiel Erboder Erinnerungsstücke“, sagt Hansulrich Benz. Bei seiner stilsicheren Schwester hatte er allerdings keine Bedenken. Um ihrer Vorstellung von einem geradlinigen, ruhigen Haus zu entsprechen, investierte er viel Aufmerksamkeit in Details: So schließen die Lichtschalter bündig mit den Betonwänden ab, es gibt keine versetzten Leisten oder Linien. Die Bäder sind mit Glas statt Fliesen ausgekleidet. Hansulrich Benz’ Philosophie: „In der Liebe zu den Details zeigt sich die Wertschätzung des Bauherrn.“

Lieblingsplatz. Barbara Benz entspannt sich am liebsten im Wohnzimmer auf dem lederbezogenen Drehstuhl „Drift“ von Walter Knoll

Barbara Benz hat eigentlich BWL studiert, arbeitete später unter anderem am Designcenter in New York, bei Rolf Benz und Walter Knoll. Die Liebe zum Interiordesign liegt in der Familie. Ihr Vater ist der weltbekannte Möbelproduzent Rolf Benz.