Im Gespräch mit EOOS

EOOS, das sind Martin Bergmann (*1963), Gernot Bohmann (*1968) und Harald Gründl (*1967). Bereits während ihres Studiums in der Meisterklasse von Paolo Piva an der Universität für angewandte Kunst in Wien erkannten die drei eine besondere Synergie in ihrer Arbeit. 1995 gründeten sie ihr gemeinsames Atelier. Das Trio arbeitet in den Bereichen Möbel- und Produktdesign sowie im Shopdesign für Kunden wie Giorgio Armani, Adidas, Alessi, Bulthaup, Dedon, Duravit, Walter Knoll, Keilhauer, Matteograssi und Zumtobel. Für EOOS ist Design eine poetische Disziplin und eine kulturelle Dienstleistung an der Gesellschaft.

In ihrem inspirierenden Büroloft in der Wiener City setzen die drei Querdenker ihre Vorstellungen um. Fünfzehn Kreative verschiedenster Herkunft und Profession unterstützen das Trio bei ihren Projekten von Mailand bis Toronto, London bis New York, Berlin bis Herrenberg. Die Karriere von EOOS ist eng verknüpft mit der Entwicklung von Walter Knoll. Über 25 erfolgreiche Modelle sind seit dem ersten gemeinsamen Projekt 1997 entstanden. Design hat eine gesellschaftliche Wirkung, es transportiert Werte.

Den Auftakt machte Jason, ein Sofa, das im Laufe der Jahre zu einer ganzen Sitzmöbelfamilie erweitert wurde. Dann folgten preisgekrönte Klassiker wie Drift und George, Bestseller wie das modulare Sofaprogramm Living Landscape, Office-Innovationen wie der Lead Chair und nicht zu vergessen das erst jüngst auf der Möbelmesse in Köln präsentierte Sofa Gordon. Bis heute erhielt EOOS über 60 internationale Auszeichnungen, darunter 2004 den italienischen Designpreis Compasso d‘ Oro.

 

Wann immer die drei Designer ihre Köpfe zusammenstecken, entsteht etwas Besonderes.

Barbara Benz traf die drei Herren zum Gespräch.

Lead Chair
Lead Chair
Lead Chair
Lead Chair

architare: Welche drei Eigenschaften zeichnen ein gutes Produkt heutzutage aus?

EOOS: Gutes Design hat kein Ablaufdatum. Design hat eine gesellschaftliche Wirkung, es transportiert Werte. Und gute Produkte geben nicht vor, etwas zu sein, was sie nicht sind.

Und drei Eigenschaften, die ein gutes Produkt in Zukunft auszeichnen werden?

Authentizität, Poesie und Nachhaltigkeit spielen auch in Zukunft eine Rolle.

Was schätzen Sie besonders an ihrer Aufgabe als Designer?

Die Zusammenarbeit mit interessanten Unternehmen und die Begegnung mit spannenden Menschen, aus denen sich auch gute Freundschaften entwickeln.

Wie stark fließt die kulturelle Herkunft eines Designers in die Gestaltung eines Produktes mit ein?

Wir glauben eigentlich nicht an eine lokal geprägte Designsprache und bemühen uns im Gegenteil beim Entwurf unserer Objekte eher darum, dass diese auch im interkulturellen Kontext verstanden werden. Wir sind froh, in Österreich leben und arbeiten zu können, weil wir hier eine unvergleichlich hohe Lebensqualität haben. Aber unsere Kunden, sowie unsere Produkte sind alle international.

Ihr persönlicher Favorit der letzten Jahre?

Der italienische Futurist Fortunato Depero zum Beispiel. Design als poetische Disziplin – dieses Leitbild hat er überdehnt und in seinen Arbeiten fast schon mehr Poesie an den Tag gelegt, als der Markt verträgt. Trotzdem war er als Industriedesigner erfolgreich, hat beispielsweise die tolle Campari-Flasche entworfen. Das fasziniert uns.

Das überflüssigste Produkt, dass Ihnen je begegnet ist?

So vieles ist Überfluss – wir wissen das und kaufen trotzdem. Wir brauchen mehr Bewusstsein für einzelne Dinge. Hinterher stellen wir uns die Frage, was wollten wir eigentlich damit? Eine Wohnung kann mit ganz Wenigem auskommen. Jeder soll selbst in sich hinein hören, was er braucht.

Das relevanteste Produkt, das Sie selbst bislang entworfen haben?

Subjektiv sind es jeweils die Projekte, die gerade in unserem Atelier entstehen. Objektiv gesehen, wird es die Zeit weisen, welches Produkt relevant bleibt!

Für wen würden Sie gerne einmal ein Produkt entwerfen?

Das findet gerade statt: Wir entwickeln eine Toilette für die Ärmsten der Welt auf Initiative der Bill & Melinda Gates Foundation. Gemeinsam mit dem Schweizer Forschungsinstitut Eawag arbeiten wir an einem Sanitärkonzept, das keiner Wasser- oder Kanalanbindung bedarf.

Sie verstehen Design als einen politischen Akt. Sind folglich auch alle Menschen, die Design kaufen politisch aktiv? Wenn ja in welche Richtung?

Es geht um eine Reform unseres Lebensstils, und Design kann dabei eine wichtige Rolle im Wandel einnehmen. Es geht um die Gestaltung eines neuen Lebensstils, bei dem Wachstum eine Kategorie der Qualität und nicht Quantität wird. Designerinnen und Designer benützen neue Werkzeuge, um Lebenszyklen zu gestalten, anstatt nur die konsumierbare Form von Produkten. Designprozesse werden partizipativer, d.h. Nutzerinnen und Nutzer werden verstärkt in kreative Prozesse mit eingebunden. Unser sehr technisch geprägter Innovationsbegriff wird in Richtung sozialer Innovation verschoben. Konsumierende werden auch zunehmend zu Produzierenden, und schließlich wird das Nutzen wichtiger als das Besitzen.

Sofa Yuuto
Sofa Yuuto
Ameo
Ameo
Living Landscape
Living Landscape

Das Wort Poesie ist gerade sehr populär und Romantik reloaded in aller Munde. Wird es nun auch für EOOS Zeit, seine „Poetische Analyse“ zu überdenken, ja vielleicht sogar zu modifizieren?

Die poetische Analyse ist keine Strategie, es ist eine grundlegende Zugangsweise zu Design. Das geht nicht vorbei oder kommt aus der Mode, sie muss auch nicht modifiziert werden. Urbilder und Rituale, wie wir sie suchen, bleiben. Es ist das Spannungsverhältnis zur Realität das variiert.

Seit wann arbeiten Sie für Walter Knoll?

Für Walter Knoll arbeiten wir schon seit 1997. Also, 16 erfolgreiche Jahre!

Walter Knoll bietet exzellentes Handwerk und avancierte Technologie 

Wie kam es zu dieser fruchtbaren Zusammenarbeit?

Als wir uns Mitte der 90er Jahre, kurz nach dem Diplom an der Universität für angewandte Kunst, gerade als junges Designstudio durchs Leben kämpften, hat unser ehemaliger Professor einen ersten Kontakt zu Markus Benz hergestellt. Wir bekamen also die Chance, die Firma in Baden-Württemberg zu besuchen und uns dort vorzustellen. Markus Benz zeigte uns die Firma und das Buch „125 Jahre Knoll“. Er meinte, wir sollen uns die Vergangenheit und bisherige Entwicklung des Unternehmens anschauen und darauf Überlegungen aufbauen, wie Walter Knoll in der Zukunft aussehen kann. Mit diesem Auftrag fuhren wir zurück nach Wien. Und kamen mit dem Entwurf für Jason, einem eleganten Sofa mit intelligenter Mechanik zum Umlegen der Armlehnen, sodass ein Daybed entsteht, zurück. Dass Jason gleich ein so großer Erfolg war, hat uns aufatmen lassen.

Jason von Walter Knoll
Jason von Walter Knoll
Jason von Walter Knoll
Jason von Walter Knoll

Was schätzen Sie besonders an diesem Unternehmen?

Die Basis sind das exzellente Handwerk und die avancierte Technologie. Zudem ist es aber auch das Vermögen von Markus Benz, den Kreativprozess zu lenken und zu leiten und mutige Entscheidungen zu treffen.

Wie bringt man Kunden dazu, mehr in Qualität und qualitativ hochwertige Produkte zu investieren?

Unsere Aufgabe ist es qualitativ hochwertige Produkte zu entwerfen. Um sie an den Kunden zu bringen, gibt es andere Spezialisten.

Gerade hat ihr Sofa „Gordon“ den Wallpaper Award 2013 bekommen. Ist eine Auszeichnung wie diese ein Ansporn für Sie als Designer oder eher ein Booster für den Verkauf eines Modells?

Das ist eine große Auszeichnung, über die wir uns sehr freuen…

Eine Eckvariante von Gordon
Eine Eckvariante von Gordon

Arbeiten Sie lediglich als Trio zusammen oder sind Sie auch privat miteinander befreundet?

Wir arbeiten jeden Tag zusammen und sind natürlich auch befreundet.

Ihre Officeräume in Wien haben ja eine prominente Vergangenheit. Wie kamen Sie an die Räumlichkeiten?

Ja, vor uns nutzte Bundespräsident Heinz Fischer die Räumlichkeiten für den Wahlkampf, davor war das Architekturbüro Coop Himmelb(l)au hier und davor das Studio von Modeschöpfer Helmut Lang. Wir erfuhren von den Räumlichkeiten über den Baumeister eines Kunden.

 

Und wen würden Sie sich als Nachmieter wünschen?

Wir haben nicht vor auszuziehen...

Wo verbringen Sie am liebsten Ihre Mittagspause?

Es gibt einige nette Restaurants und Lokalitäten in der Nähe unseres Büros. Sofern wir nicht auf Reisen sind, gehen wir jeden Tag zu dritt in der Wiener Innenstadt Mittag essen. Immer wieder mal kochen wir auch mit dem Team im Büro.

Weshalb?

Die Mittagspause ist eine willkommene Unterbrechung, es macht Spaß das Atelier zu verlassen und mit neuen Ideen zurückzukommen.

Wie oft sind Sie in Herrenberg?

Mindestens einmal im Monat!

Was empfehlen Sie Besuchern, die im Walter-Knoll-Land unterwegs sind?

Neben der gläsernen Walter Knoll Zentrale, das Mercedes Benz Museum und die Weissenhof-Siedlungin Stuttgart. Und zum Abendessen Da Gino in Nagold!

Vielen Dank für das Gespräch.

Team Eoos
Team Eoos

Fotos: ©
Delos und Inipi
Duravit
Udo Titz

 
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