B&B Italia

Wohl kaum ein italienisches Möbelunternehmen verkörpert das moderne Understatement so sehr wie B&B Italia. Mit stilprägenden Entwürfen, exzellent gestalteten Lookbooks und erfolgreichen Stores auf der ganzen Welt entwickelte sich das norditalienische Familienunternehmen zum internationalen Trendsetter der Einrichtungsbranche.

Noch bis in die 1980er-Jahre reichte es zum Erfolg, wenn ein Sitzmöbel ein schickes Design hatte. Ob es bequem war oder nicht, spielte kaum eine Rolle. Dann kamen die arrivierten Neunziger, mit all ihren reduzierten Formen, Farben und Materialien und man besann sich auf Komfort. Noch heute muss ein gutes Sofa vor allem eines können – ein gutes Wohngefühl wecken. „Das gilt zumindest für die Zielgruppe ab Vierzig“, bestätigt Giorgio Busnelli, CEO von B&B Italia. Der Sohn des Firmengründers Piero Busnelli ist trotz allem Erfolg bescheiden geblieben. Die Branche ist bekanntlich nicht einfach – und, es hat auch immer turbulente Zeiten gegeben. Gerade in den Jahren zwischen 2002 und 2011, als die Busnellis den Börsengang des Unternehmens wagen wollten und 51 Prozent ihrer Anteile an einen Privat Equity Fund abgegeben hatten.

Vor drei Jahren war Schluss mit dem Schielen auf Quartalszahlen und Gewinnoptimierung. Die Familie kaufte ihr attraktives Möbelimperium aus den Mehrheitsklauen des Funds zurück. Seither konzentriert man sich im norditalienischen Novedrate auf das, wofür B&B Italia seit fast 50 Jahren berühmt ist: neue Ideen in Möbel umzusetzen. Wie sehr sich die Leidenschaft für Innovation und Design bezahlt macht, zeigt der internationale Erfolg der Marke. Mit einem Umsatz von 150 Millionen Euro pro Jahr gehört B&B Italia zu den weltweit größten Herstellern im High-End-Bereich.

Einstiegsmodell für junge B&B Italia-Fans
Einstiegsmodell für junge B&B Italia-Fans

Und doch bedeutet jedes neue Modell für die Firma eine enorme Investition. Jedes Sofa besteht aus einem Stahlgerüst im Innern sowie einem in Form gespritzten Polyurethankorpus. In ihm steckt ein Großteil des firmenspezifischen Know-hows. Je nach Sitzmöbel und Anzahl der Einzelteile kann die Herstellung einer Spritzform bis zu 80.000 Euro kosten. So war es auch bei dem von Patricia Urquiola entworfenen Bend Sofa. „Was habe ich mir den Kopf zermartert“, erzählt Busnelli. „Ist es innovativ genug, ist es zu innovativ?“ Auf dem Salone Internazionale del Mobile 2010 schlug das avantgardistische Sofa ein wie eine Bombe.

Presse und Händler waren begeistert

Dank seiner modernen Form und einem Preis, der um 30 Prozent niedriger lag als das bislang günstigste Designersofa der Kollektion, war es das perfekte Einsteigermodell für junge Leute.

Tisch Tobi-Ishi von Barber-Osgerby
Tisch Tobi-Ishi von Barber-Osgerby

Das Buhlen um neue Zielgruppen ist essenziell. Wer wie B&B Italia exzellente Qualität und Langlebigkeit liefert, muss permanent neue Kunden finden: „Das ist die eigentliche Herausforderung“, sagt der CEO. Logisch, denn mit den bereits bestehenden Kunden läuft nicht viel. Wer sich für ein Charles, ein Tufty-Times oder ein Fat entscheidet, behält es in der Regel 15 bis 20 Jahre. Dank Hunden, Katzen oder Kindern braucht es vielleicht ab und zu noch einen neuen Bezug, aber das war es dann auch schon. Doch wie gelingt es B&B Italia trotzdem, seinen Kundenkreis stetig zu erweitern? „Mit neuen Ideen“, erklärt Busnelli, „neuen Designs, neuen Verfahren und neuen Materialien.

Alles dreht sich um Innovation.

Darauf gründet der Erfolg unseres Unternehmens.“

Bubblemaker
Bubblemaker

Diese Überzeugung hat Giorgio Busnelli von seinem Vater Piero geerbt, der das Unternehmen 1966 zusammen mit Piero Cassina gründete. Bis heute ist das Herz der Firma nicht die Buchhaltung oder das Marketing, sondern das Forschungs- und Entwicklungszentrum. Drei Prozent des Umsatzes fließen jährlich in diesen Nukleus. Und was hat sich Busnelli sonst noch von seinem Vater abgeschaut? „Oh, alles. Er war 30 Jahre lang mein Lehrer. Er hat mich gelehrt, neugierig und nie zufrieden zu sein, der Erste zu sein, der kommt und der Letzte, der geht. Aufrichtig zu arbeiten und nicht zu tricksen.“

Barbara Benz mit Giorgio Busnelli
Barbara Benz mit Giorgio Busnelli

Was hat sich heute im Vergleich zu früher in der Zusammenarbeit mit Designern verändert? „Als wir mit Designern wie Scarpa, Magistretti oder Bellini begannen, war die Zusammenarbeit intensiver. Scarpa kam für zwei Tage zu uns und wir verbrachten oft 15 Stunden miteinander. Heute fliegen die Designer zu zweistündigen Meetings ein. Wenn zum Beispiel Naoto Fukasawa kommt, hat er anschließend noch eine Menge Termine mit an deren Firmen.“ Aktuell arbeitet B&B Italia mit rund zwanzig international renommierten Designern zusammen. Dazu gehören Exzentriker wie Patricia Urquiola, Zaha Hadid und Naoto Fukasawa, aber auch zurückhaltende Protagonisten wie Vincent van Duysen, Jeffrey Bernett und Jasper Morrison bereichern das Portfolio.

Und welche Rolle spielt Antonio Citterio? „Wir ticken gleich und haben uns schon immer gut verstanden“, sagt Busnelli. „Wir sind am gleichen Ort aufgewachsen, sind zusammen mit den Vespas um die Häuser gekurvt und waren in den gleichen Bars unterwegs. Heute ist er ein wichtiger Freund, als mitdenkender Kopf – und als Designer.“

Ein Evergreen in White
Ein Evergreen in White

Photos: © Serie Up - courtesy of B&B Italia

 
nach oben