1865- 2015

Walter Knoll - die Möbelmarke der Moderne - steht für höchsten Designanspruch und das unermüdliche Streben nach exzellenter Qualität.

150 Jahre Walter Knoll. Darauf kann man Stolz sein. Doch wie gelingt es, ein so traditionsreiches Unternehmen auf Erfolgskurs zu halten? Ein Hausbesuch in Herrenberg gibt Aufschluss. Wer zu einem ersten Firmenbesuch ins Schwäbische kommt, ist erstaunt. Mitten im Ortskern, zwischen S-Bahn-Station und historischen Backsteinbauten, erhebt sich ein moderner Betonriegel mit Glasfassaden nach Nord und Süd – das Markenland von Walter Knoll.

Im Erdgeschoss erblickt man durch die bodentiefen Glasfronten emsige Polsterer. Sie bespannen Sitzschalen mit Leder, verpassen Sofaelementen eine Haut aus feinem Anilinleder und versehen dazugehörige Kissen mit Füllungen. Ganz selbstverständlich lassen sie Passanten an ihrer wertvollen Arbeit teilhaben. Einige der Vorbeigehenden grüßen, winken den Angestellten im Innern vertraut zu.

Das war nicht immer so. Bis vor gut zehn Jahren waren Polsterei und Näherei des traditionsreichen Unternehmens noch in geschlossenen Werkshallen untergebracht. Doch mit dem Neubau 2006 sollte alles anders werden: offen, transparent, für die Mitarbeiter, aber auch für die umliegende Bevölkerung und natürlich – für Gäste aus aller Welt. 150 Jahre Bestehen feiert das Herrenberger Unternehmen in diesem Jahr. Das damalige Ledergeschäft des Gründers Wilhelm Knoll gilt als die Möbelmarke der Moderne und hat sich zu einem erfolgreichen Global Player entwickelt. Und das kommt nicht von ungefähr.

Der hohe Design-Anspruch und das immerwährende Streben nach exzellenter Qualität

brachten Entwicklungen wie die patentierte Antimott-Feder in den 1930er-Jahren oder die Prodomo-Stahlrohrmöbel hervor, Entwürfe, die Möbelgeschichte schrieben.

Mit dem Kauf des Unternehmens durch die Familie Rolf Benz 1993 verschmolzen schließlich zwei renommierte Möbeldynastien Deutschlands. Geschäftsführer Markus Benz setzt auf klassische Werte in zeitgemäßer Gestaltung. Was so einfach klingt, erfordert in Wahrheit viel Erfahrung. „Manu factum” lautet das Zauberwort. Also, warum nicht zeigen, was man kann? Doch anders als bei vielen Herstellern, die artifizielle Schauwerkstätten einrichten, ist die Offenbarung handwerklicher Fertigungsschritte in diesem Unternehmen keine Verherrlichung althergebrachter Abläufe.

Bei Walter Knoll geht es um Qualität.

Eine Qualität, die so nur im ausgeklügelten Zusammenspiel aus fachlichem Know-how und neuester Technologie entstehen kann. Wie formuliert es Markus Benz so treffend? „Das Handwerk der Polsterer und Näherinnen braucht Kraft und Fingerspitzengefühl.“ Die Idee der gläsernen „Manufaktur” hat sich bewährt.

Der Neubau von Walter Knoll
Der Neubau von Walter Knoll

Die Mitarbeiter schätzen die Arbeitsatmosphäre in den lichtdurchfluteten Räumen. Über vier Etagen wird in gleichwertigen Räumen gearbeitet, egal ob in der Produktion, in den Büros oder in der Ausstellung. Im ersten Obergeschoss sind der Zuschnitt und die Näherei untergebracht. Die Näherinnen arbeiten dort je nach Saison und Auftragseingang. Unter ihren flinken Händen verwandeln sich einzelne Lederstücke zu einem komplexen Maßanzug.

Jede einzelne der hochmodernen Hightech-Maschinen ist auf eine ganz bestimmte Funktion spezialisiert: eine Naht im 90-Grad-Winkel, eine klassische Koffernaht, eine Doppelnaht oder eine flächenbündige Ziernaht, die zum Beispiel auf allen Isanka-Modellen zu finden ist. Dabei durchsticht die luftgekühlte Maschine ein fünf Millimeter dickes Kernleder, geführt von der ruhigen Hand eines Profis. Die kleinste Irritation – und schon ist die Güte der Ziernaht perdu.

Dass auch im 21. Jahrhundert noch neue Nähte entwickelt werden, mag verblüffen. Doch immer neue Designideen stellen die Handwerksmeister vor immer neue Herausforderungen. Das spornt an. Der hohe Qualitätsanspruch äußert sich auch in der Auswahl der Materialien.

Klare Nahtbilder erfordern Erfahrung
Klare Nahtbilder erfordern Erfahrung

Rund 70 % Leder verarbeitet Walter Knoll für seine Produkte.

Häute sind ein Abfallprodukt der Viehwirtschaft und stammen ausschließlich von europäischen Jungbullen. Gegerbt, gefettet und gefärbt wird in den besten Gerbereien Europas. Werden die Chargen von Lederhäuten geliefert, beginnt die sorgfältige Begutachtung: ein Farbabgleich mit dem original Walter Knoll-Muster, die Suche nach kleinsten Mückenstichen, Hornverletzungen oder anderen Spuren aus dem zügellosen Leben eines zweijährigen Jungbullen. Keine noch so kleine Blessur entgeht dem versierten Blick der Mitarbeiter. Fehlerhafte Stellen werden gekennzeichnet und beim Zuschnitt mittels CAD und Laser ausgespart.

Vier Qualitätskontrollen durchläuft jede Haut auf ihrem Weg vom Wareneingang bis zum fertigen Ledercover. Dazwischen wird sie gespannt, geschärft, gespalten, gestanzt oder geprägt. Versierte Hände versehen sie mit Biesen oder Reißverschlüssen, ehe die fertig konfektionierten Maßanzüge zur „Vermählung” ins Erdgeschoss gelangen. So nennen die Walter Knoll- Mitarbeiter die finale Zusammenkunft von Weißpolster und Lederbezug.

Messestand Walter Knoll
Messestand Walter Knoll

Für Innenarchitekten, Planer und Händler sind Stippvisiten beim Produzenten selbstverständlich. Doch auch Kunden können die Herstellung der Produkte erleben – von der Entwicklung, dem Zuschnitt, dem Nähen und Polstern bis hin zur Auslieferung.

Wer sich für ein Walter Knoll Möbel entscheidet, der tut dies nicht im Vorbeigehen

Nicht selten erscheinen Interessenten in Herrenberg, um sich „ihr” Möbel vor Ort anzusehen. Oder weil sie einfach nur wissen wollen, woher das sorgfältig gefertigte Stück kommt, auf dem sich Familie und Freunde zukünftig wohlfühlen sollen. Wer seine meisterliche Qualität perfektionieren will, muss auf der Höhe der Zeit bleiben – und auch nachfolgende Generationen für seine Produkte begeistern. Seinen zukünftigen Kunden klarzumachen, worin die Qualität und Wertschätzung eines Produktes liegt? Scheint kein Problem für Walter Knoll. Das Markenland mit seiner gläsernen Fassade war ein cleverer Schritt in die richtige Richtung. Denn es spiegelt vor allem eines: die Liebe zum eigenen Produkt.

Barbara und Markus Benz
Barbara und Markus Benz

Photos: © Emil Benz

 
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